Die nächste Vorstandssitzung ist am 02.Mai, Dienstags, um 20 Uhr, in der "Krone" beim Karl,

Gäste sind immer willkommen!

Ankündigung der nächsten Vorstandssitzung des Heimat- und Geschichtsvereins am Dienstag 2.Mai um 20:00 im Gasthaus Zur Krone, Bachgasse 30, Schaafheim. Interessenten und Gäste sind erwünscht und jederzeit willkommen. Themen:

 

1. Kommentare zum April Sitzungsprotokoll

2. Neuigkeiten zum zerstörten Denkmal Feldruhe

3. Rückblick auf die HGV Baumpflanzung

3. 1200 Jahr Feier: Vorbereitung Festumzug

4. 1200 Jahr Feier: Dienste am Kerbwochenende

5. Vereinsausflug am 11. Juni: Hessenpark Neu-Anspach

6. Verschiedenes

 

Bericht vom Darmstädter-Echo zum Jubiläumswald

 

Ortsrundgang Jüdisches Leben in Schaafheim

 

Es ist Punkt 10 Uhr an einem sonnenreichen Samstagmorgen, als Heike Gehrig, die Hauptorganisatorin der Schaafheimer 1200 Jahrfeier, etwa 40 Interessierte und den Referenten im Löwenhof begrüßen kann.  Im Gegensatz zum Nachtwächterrundgang vor einer Woche wird der Schwerpunkt dieses Ortsrundganges nicht das Schaffen nächtlicher Ruhe und Ordnung in der Gemeinde sein, sondern ein eher weniger bekanntes Kapitel der Ortsgeschichte.

Das Thema des Ortsrundganges an diesem Morgen ist die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde, die in Schaafheim vor dem II. Weltkrieg schon länger als 400 Jahre bestand.

Die Führung übernimmt diesmal der ehrenamtliche Gemeindearchivar Wolfgang Roth, der ebenso wie der kürzlich als Nachtwächter tätige Eicke Meyer Mitglied im Schaafheimer Heimat- und Geschichtsverein ist.

Man merkt sofort, der Vortragende kennt sich aus. Fast ohne Nachzudenken purzeln präzise Jahreszahlen über seine Lippen. Wolfgang Roth ist bestens vorbereitet: Aus seinem reich bebilderten Ordner kann er immer wieder Schätze aus den Archiven zeigen. Gleich am Anfang des Rundganges kann er mit einer Kopie einer Urkunde von 1609 begeistern, in der es Juden formell gestattet wurde, sich in Schaafheim anzusiedeln.  Man muss aber wissen, so Roth, dass man sie einige Jahre vorher alle ausgewiesen hatte und sie die Erlaubnis zur Neuansiedlung nunmehr außerordentlich teuer zu bezahlen hatten.

Jüdische Mitbürger sind in Babenhausen dagegen schon 1318 erwähnt, wohl vor allem wegen der besseren Handelsmöglichkeiten, da ihre Berufsmöglichkeiten Großteils auf Handelsberufe (z.B. Viehhändler, Warenhändler) beschränkt waren. Die Schaafheimer jüdische Gemeinde war immer klein und wenig begütert - um 1800 finden sich weniger als 15 Familien, beispielsweise die Familiennamen Fuld, Rothschild und Lehmann. Der Rundgang streift viele ehemalige Wohnhäuser dieser Familien. Es wird schnell deutlich, dass sich niemand in ehemaligen Besitzern von Grundstücken und Häusern besser auskennt als Wolfgang Roth, der schon detaillierte Berichte zu ganzen Straßenzügen in dieser Zeitung veröffentlich hat.

Roth weist beim Rundgang auch noch auf zwei ehemalige Mikwen (Tauchbäder, deren Wasser zu rituellen Waschungen diente) in Kellern von Häusern in der Wilhelm-Leuschner-Straße und Spitzengasse hin, bevor die Gruppe schließlich am Fuß der evangelischen Kirchentreppe halt macht.

Vor der Säule an der Gedenktafel für die jüdischen Mitbürger stehend, kommt die Sprache auf die Synagoge im Hof eines landwirtschaftlichen Anwesens in der Spitzengasse. Der Name lässt jedoch mehr vermuten,  als tatsächlich dort vorhanden war: Wie erwähnt war die Schaafheimer jüdische Gemeinde nicht wohlhabend und hatte Mühe, das im Innenhof eines Anwesens 1840 errichtete Bethaus, das nur etwa 5x6 Meter maß, finanzieren zu können. Die nach jüdischer Tradition getrennt sitzenden Frauen konnten ihre Plätze auf der Empore nur über eine Außentreppe erreichen.

Die Nacht vom 9.-10.November 1938, die "Reichskristallnacht", ging auch an Schaafheim nicht ohne Spuren vorbei: Nach hetzerischen Aufrufen durch führende NSDAP-Mitglieder im Ort zog eine Meute vom Gasthaus Ochsen zur Synagoge. Wie auch in anderen Gemeinden wurde die Aktion auch in Schaafheim später als "spontane Volkserhebung" erklärt. Die Synagoge rette damals vermutlich nur, dass man sich scheute, in der eng bebauten Ortsmitte mit Feuer zu hantieren. So wurde "nur" die Einrichtung der Synagoge beschädigt und viele Häuser jüdischer Mitbürger beschmiert. Dieser Tag markierte das Ende der jüdischen Gemeinde in Schaafheim. Einige jüdische Mitbürger konnten danach noch rechtzeitig auswandern, andere wurden in den nachfolgen Jahren deportiert und kamen in verschiedenen Konzentrationslagern um. Im Jahr 1953 wurden die letzten Reste der Synagoge - zu dieser Zeit als Lagerhaus genutzt - abgerissen.

Von der Synagoge ist nur noch die Stütze der Frauenempore übrig, die heute als Mahnmal am Aufgang der evangelischen Kirche steht - und auch diese blieb nur durch einen glücklichen Zufall erhalten:

Im Jahr 2013 entdeckt Eicke Meyer, damals Vorsitzender des HGV, auf dem Foto eines Kellergewölbes eine seltsame Sandsteinsäule. Nach seinen Recherchen  entpuppt sich diese Stützsäule im Keller als eine ehemalige Tragesäule der Frauenempore. Durch beharrliches Nachhaken und tatkräftige Hilfe der Gemeinde erreicht Meyer, dass diese Säule durch den Besitzer des Anwesens gestiftet und durch die Firma Marmor-Zahn an der Pfarrgartenmauer neben der 1998 errichteten Gedenktafel für die Schaafheimer Juden aufgestellt wird. Im Jahr der Aufstellung der Säule, dem 75. Jahrestag der "Reichskristallnacht", richtet das Ehepaar Werner und Elsbeth Kreh in der Alten Kapelle die Ausstellung "Sie waren Einwohner in Schaafheim" in Gedenken an die ehemaligen jüdischen Gemeindemitglieder aus.

Am Schaafheimer Marktkreuz findet der Rundgang schließlich sein Ende und Wolfgang Roth zeigt noch einige Zeichnungen und Pläne aus seinem reich bebilderten Ordner, nur wenige Meter vom Originalstandort der ehemaligen Synagoge entfernt. Dem Referenten sei an dieser Stelle nochmals herzlich für seinen Vortrag gedankt.

Dr. Mirko Kreh, Heimat-und Geschichtsverein Schaafheim

 

 

 

 

 

 

Gelungener Nachtwächter-Rundgang mit Eicke Meyer, trotz dauer Regen

Hier der Bericht von unserem Pressewart:

 

Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann…

…jedenfalls nicht die etwa 150 Schaafheimer Bürger und weitere Interessierte aus den Nachbarorten, die am Samstag, 18. März bei nasskaltem Schmuddelwetter den Nachtwächter auf seinem historischen Rundgang durch den alten Ortskern von Schaafheim begleiteten.

Eingehüllt in einem knöchellangen, schwarzen Lodenmantel mit einem weißen Schultergurt, an dem das Wächterhorn baumelte und in der Hand eine Hellebarde als Zeichen der Amtsgewalt, ließ der ehemalige, langjährige Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins , Eicke Meyer, die überraschend große Besucherzahl nacherleben, wie zu alten Zeiten die Sicherheit der braven Bürger überwacht wurde.

Dabei erfuhren die Begleiter sehr vieles über die Geschichte der Gemeinde Schaafheims, die einstigen Stadtrechte, wo klapperte die Mühle, wie und wo verlief der Bach durch den Ort, welche Tore mussten überwacht werden, wo befand sich das einstige Schloss, warum war Schaafheim Garnisonsstadt,  wo und wie viele Backhäuser hatte Schaafheim und vieles mehr aus vergangenen Jahrhunderten.

Dabei musste der Nachtwächter aber auch mehrmals einschreiten, um schlimmeres zu verhüten. Da war der Bäcker, der zu später Stunde noch mit offenem Feuer seinem Gewerbe nachging, was ihm als Buße die Verteilung von Schmalzbrotschnitten und Apfelbrot für die späten Nachtwanderer kostete.

Ein feuchtfröhliches Gelage mit lauter Musik zu nachtschlafender Zeit am Bangerts Tor wurde umgehend beendet und der Verursacher musste die Wanderer mit seinem edlen Obstbrand beruhigen.

Als dann aber lautstarke Ehestreitigkeiten die Nachbarschaft aufbrachten, musste der Nachtwächter den Streithähnen androhen, dass sie am Rathaus an den Pranger gestellt werden, oder für die Nacht ins Kellerloch gesteckt würden, wenn sie nicht sofort Ruhe geben. Daraufhin besann sich das Ehepaar und der Rundgang mit dem Nachtwächter konnte friedlich abgeschlossen werden, zumal es dann auch begann, stärker zu regnen.

Unter dem Begleitschutz der freiwilligen Feuerwehr, die jeweils die Straßen sicherte, haben die Teilnehmer sicherlich viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Eine für alle lohnende Nachtwanderung.

Werner K. Waterwiese

Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim e.V.

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim berichtete in der Schaafheimer Zeitung vom 26.Januar 2017 von der Beschädigung der unter Denkmalschutz stehenden Ruhe an der Straße nach Radheim, die vermutlich bei Holzarbeiten im Dezember 2016 erfolgte. Diese Ruhe ist in der Denkmaltopographie eingetragen und als “zu erhalten” gelistet (ANLAGE). Der HGV hatte im Januar diskutiert, ob/wie diese beschädigte Ruhe wieder hergerichtet werden könnte, kam jedoch zum Schluss, das dies ohne vorherige Rücksprache mit der Denkmalschutzbehörde nicht statthaft ist. Unser Plan war es, den angehängten Artikel der Landesdenkmalschutzbeauftragten Frau Mannhardt zukommen zu lassen und sie um ihre Meinung in dieser Angelegenheit zu bitten.

 

Leider wurden wir von der Realität nun überholt:

Mit Schrecken musste ich gerade eben feststellen (also nur drei Tage nach Erscheinen unseres Artikels), dass die Überreste der Ruhe nunmehr komplett aus dem Boden gerissen wurden und die im Dezember noch erhaltenen Reste der historischen Ruhe achtlos auf dem ABRAUMHAUFEN gelandet sind (Fotos). Die Ignoranz, mit der hier vorgegangen wurde, sucht Ihresgleichen.

 

Es darf darüber nachgedacht werden, welche Sachbestände durch diesen Vandalismus berührt sind. Unsere Bitte an die Gemeinde ist es, hier umgehend tätig zu werden und die Verantwortlichen für diese Holzarbeiten (wer ist das ?) anzusprechen. Den Vorgang werden wir der Denkmalschutzbehörde weiterleiten, denn schließlich ist dieses Denkmal nun nicht mehr erhalten. Unsere Erwartungshaltung ist, dass der Verursacher des Schadens die Kosten eventuell anstehender Sanierungsarbeiten zu übernehmen hat.

 

Viel dringlicher ist es jedoch, den Bauhof in dieser Angelegenheit bitte SOFORT tätig werden zu lassen, und die Reste der denkmalgeschützten Ruhe in Sicherheit zu bringen, bevor auch noch die Reste der Ruhe im Jahr unserer 1200-Jahr Feier als Bauschutt entsorgt werden.

 

Vielen Dank im Voraus für Ihre schnelle Reaktion.

 

Viele Grüße,

Mirko Kreh

 

Ein Denkmal am Boden – für immer verloren ?

 

Zu Zeiten, als das Leben mit weniger Technik noch beschwerlicher war, mussten mangels befestigter Wege in unwegsamen Gebieten Früchte des Feldes oder Futter für das Vieh in „Hucken“ auf dem Rücken oder als „Duffel“ auf dem Kopf nach Hause getragen werden.

In dieser Zeit entstanden die sogenannten „Ruhen“, auf denen man die Lasten für eine Verschnaufpause ablegen konnte, ohne mühselig und zeitraubend sämtliche Bindungen und Schnürungen lösen und dann wieder befestigen zu müssen.

Diese steinernen Ruhen waren in Richtung Ort immer etwa nach Zweidrittel des Weges aufgestellt, da die Müdigkeit beim Tragen über längere Strecken erst zum Schluss eintritt.

Der Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim hat sich u. a. die Wiederherstellung solcher Flurdenkmäler zur Aufgabe gemacht, um der Nachwelt einen Einblick in die harte Arbeit auf dem Lande zu verschaffen.

 

In seinen Informationsschriften hat der HGV sechs solcher „Ruhen“ aufgelistet.

Zudem hat der HGV am Parkplatz des Friedhofs die Nachbildung einer solchen Ruhe aufgestellt, da hier eine große Öffentlichkeit davon Kenntnis nehmen kann.

Nun ist eine der Ruhen, wahrscheinlich durch Witterungseinflüsse und, oder als Sturmschaden oder durch abbrechendes Geäst, zerstört worden, das frisch abgebrochene Teilstück lieg noch am Boden.

 

Gerade diese Ruhe aber ist in der Denkmalstopographie des Landkreis Darmstadt-Dieburg, Seite 498, eingetragen, und steht damit sozusagen unter dem Schutz der „Obrigkeit“. Im Begleittext dazu heißt es unter anderem: „Diese Ruhe ist als Flurdenkmal zu erhalten“.

Deshalb kann nun diese Ruhe nicht einfach wieder „zusammengeschustert“ werden. Hier ist fach-und sachkundige Restauration angesagt.

Es wäre schade, wenn ein 200 bis 250 jähriges (oder noch älteres) Zeugnis der Geschichte den „Weg alles Irdischen“ gehen würde, der Nachwelt für immer verloren!

In diesem Jahr schaut Schaafheim auf 1200 Jahre zurück. Da dürfen wir diese steinernen Zeugen der Vergangenheit nicht schweigen lassen.

 

 

                                                                       Werner K. Waterwiese

                                                                       Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim e.V.